15 Jahre Hartz IV

Mainzer Jobcenter zieht Fazit zu letzten 15 Jahren Grundsicherung

07.02.2020 | 09:01 Uhr

Seit 15 Jahren gibt es die finanzielle Grundsicherung, bekannt als Hartz IV, für Arbeitslose. Dies hat sich das Jobcenter in Mainz als Anlass genommen, einen Blick auf die Entwicklung in den letzten 15 Jahren zurück zu werfen.

In den ersten Jahren nach der Einführung der Grundsicherung fiel die Zahl der vom Jobcenter Mainz unterstützen Personen von 15.500 auf 14.600. Danach stieg die Zahl, auch aufgrund der Flüchtlingssituation, auf 17.400 Personen an. Aktuell werden 16.600 Menschen durch das Mainzer Jobcenter betreut. 4.140 davon werden als arbeitslos gezählt, da sie im erwerbsfähigen Alter sind. 2007 waren das noch rund 4.530 Personen. Die Hartz-Reformen seien ein grundlegender Faktor für den Rückgang von Sockelarbeitslosigkeit gewesen, so Heike Strack, Chefin der Mainzer Arbeitsagentur. Während das Jobcenter anfangs noch 80 Mitarbeiter hatte, ist es mittlerweile auf 200 angestiegen, aus zwei Teams wurden 14. Auch die Arbeitsmarktpolitik habe sich positiv entwickelt, erklärt Jobcenterleiter Christian Reitz. Dadurch können mittlerweile auf die Kunden und Kundinnen des Jobcenters individuell abgestimmte Hilfe und Betreuung angeboten werden.

„Am Anfang ging es vor allem um die Beherrschung der eingetretenen Massenarbeitslosigkeit. Heute stehen die individuellen Perspektiven der Menschen im Vordergrund. Wir schauen nicht mehr darauf, was kurzfristig wirkt, sondern wir wollen für jeden Einzelnen eine nachhaltige und existenzsichernde Teilhabe am Arbeitsleben erreichen“, Heike Strack, Chefin Mainzer Arbeitsagentur.

Problematisch ist allerdings, dass der Mindestlohn für eine mehrköpfige Familie, selbst bei Vollzeitbeschäftigung, nicht bedarfsdeckend ist. In dem Bereich sind die Zahlen gesunken: 2007 waren 652 Hartz-IV-Empfänger vollzeitbeschäftigt, heute sind es noch 415.

Für 2020 gehen Arbeitsmarktexperten aus, dass sich die Dynamik der Arbeitsmarktentwicklung nicht stark verändert. Die robuste Verfassung solle aber erhalten werden können. Der Personalbestand konnte zum Beispiel mittlerweile gefestigt werden, sodass es weniger befristete Arbeitskräfte gibt. Trotzdem stelle das sinkende Arbeitskräftepotential eine Herausforderung dar. So würde Wirtschaftswachstum schon bald nicht mehr durch Arbeitsquantität, sondern vor allem durch Qualität ermöglicht werden.

Quelle: ADAC